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Erinnerungsetüden

Le Thuc Anh Mai, 2023

Erinnerungen sind Vorgänge „der erneuten Präsenzwerdung von Informationen im Bewusstsein durch Abrufen gespeicherter Gedächtnisinhalte“ (Antwerps et. al., o.D.). Sie spiegeln geschehene
Ereignisse, Eindrücke von Personen, Orte und Gefühlen wider. Gleichzeitig sind diese Erinnerungen fragil und leicht manipulierbar. So können zum Beispiel, basierend auf den Erzählungen anderer Menschen, Konstrukte über Menschen geschaffen werden, die einem persönlich völlig fremd sind. Sofern man diese Person nicht persönlich getroffen und/oder kennengelernt hat, lässt man sich von den Eindrücken anderer Menschen unvoreingenommen beeinflussen.
Die Ausstellung „ERINNERUNGSETÜDEN“ setzt sich mit der Erinnerungsthematik auseinander, wobei die Arbeiten von Le Thuc Anh Mai mit ihren persönlichen Erinnerungen an ihre Eltern, Großeltern und das Aufwachsen in Deutschland als Migrantin der zweiten Generation, verwoben werden. Im Raum zeigen sechs verschiedenen Bildschirme Videoarbeiten, die über reduzierte Bildsymbole, eine differenzierte Herangehensweisen der Erinnerungsarbeit. Neben den Videoarbeiten widmet sich auch die bildhauerische Arbeit einer zerbrochene Geige, welche in der Abformwerkstatt der Hochschule entstanden ist, einer vergangenen Erinnerung von Le Thuc Anh Mai. Diese verbrachte die Hälfte ihres Lebens mit dem Geige spielen und war in bis vor einigen Jahren noch in verschiedenen Jugendorchestern tätig. Heute ist die Geige nur noch ein Relikt ihrer Vergangenheit. Die ausgestellte Geige ist komplett aus Beton geformt und wird in der Ausstellung auf einem Tisch angerichtet. Die Komposition ähnelt hierbei einer „typischen Geigenstunde“, wie Le Thuc Anh Mai es in der Vergangenheit ernommen hat.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine interaktive Wandmalerei, die von den Besucherinnen fortgeführt wird. In der Wandmalerei, welche von der ormatierung sogenannter Ausmalbilder inspiriert ist, werden kindliche Motive gezeigt, welche mit drei verschiedenen Farben (grün, rot und gelb) ausgefüllt werden können. Nach dem Konzept der ,,ERINNERUNGSETÜDEN“ werden bei dieser interaktiven Arbeit die Besucherinnen dazu eingeladen eigene Etüden (sprich Übungen) auszuführen, die ihr Gedächtnis unterstützen. Vorab wurden für die Ausstellung Flyer verteilt, welche weitere Etüden beinhalteten. Im Format eines weiteren „Ausmalbildes“ und einer Sudoku-Übung wurden die Besucher*innen vorab schon zu einer „Erinnerungsetüde“ eingeladen.

Text von Le Thuc Anh Mai