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Jiwon Kim / Enric Fort-Ballester

Ausstellungseröffnung 30.05.2013
13.06.2013, Weidenhof: Konzert von „Bonnie Rosenberg“

Bonnie Rosenberg sind Maria Schwerdtner und Theo Huber, Studenten der HfBK Dresden. Bonnie Rosenberg erzählen von alltäglichen Unzulänglichkeiten und Erfolgen. Sie Klagen, hoffen und amüsieren. Bonnie Rosenberg verstehen sich als experimentelles Performanceprojekt das an der Schnittstelle von Musik, Literatur und Video handelt. Sie nutzen hierzu das Lied, den Kurzfilm, das Gedicht, die Prosa und das Hörspiel.

www.bonnierosenberg.de

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Wo ist die Kunst?
Text von Klara Lokaj

„Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt.“
(G.W.F. Hegel, Vorrede zur „Phänomenologie des Geistes“)

Gewöhnlich sind Kunstwerke in einem Ausstellungsraum vorzufinden, doch in Niete ist es gar nicht so einfach die Kunstwerke zu finden.
Wo ist die Kunst? Es ist ein Projekt, in dem die Kunst im Raum fehlt. Die Künstler Enric Fort Ballester (*1987 in Valencia, Spanien) und Jiwon Kim (* 1982 in Seoul, Südkorea) arbeiten für diese Ausstellung zum ersten Mal zusammen, nachdem sie gemeinsam 2009 angefangen haben an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig zu studieren und haben ein interaktives Kunstwerk geschaffen, in dem der Besucher selbst agieren muss.

Bevor die Ausstellung selbst erlebt wird, hat man schon in der Einladung ein erstes Kunstwerk in der Hand. Von den Künstlern eigens gemacht, hat der Besucher die Möglichkeit Schiffe versenken zu spielen, welches nur in dialogischer Form stattfinden kann. Ein interaktives Spiel, welches einen weiteren Teilnehmer erfordert, und auch von den Künstlern intendiert ist, es wirklich zu benutzen. Aber ebenso ein Kunstwerk, welches außerhalb der Ausstellungsräume erlebbar sein soll. Durch das Suchen nach Schiffen kann man auch Nieten erfahren – oder selbst zur Niete werden, wenn man verloren hat. So findet sich hier bereits ein Aspekt des Titels der Ausstellung. Niete hat sich im deutschen Sprachgebrauch aus dem holländischen etabliert, von niet – nichts, meist als erfolgloses Los verstanden.
Hier hat man im Ausstellungsraum das wortwörtliche nichts. Nur ein Trampolin, welches aber keinesfalls als Kunstwerk herhalten soll, denn es muss benutzt werden. An der Decke ist eine weiße Box installiert, deren Inhalt man nur durch das Benutzen des Trampolins überhaupt erkennen kann.

Ebenso wie der Akt des Springens. Dadurch werden Besucher zu Teilnehmern, sie werden selbst durch das Springen zur Kunst. Das Teilnehmen, und Sich-Einlassen ist der Entscheidung der Besucher überlassen. Es zeugt auch von einem gewissen Grad an Vertrauen an die Künstler – ist es überhaupt Wert, sich einzulassen?
Das Springen wird zu einem neuen Erlebnis, auch der Raum, der bewusst so inszeniert wird, führt zu einem neuen Raumerlebnis. Diese bewusste Nutzung des Raumes findet sich auch in dessen Erweiterung, dem Balkon. Der Balkon ist schon architektonisch ein Zwischenraum, zwischen innen und außen, zwischen Gebäude und Natur. So gehört er nicht ganz zum Raum, aber doch dazu. Genau dies nutzen die Künstler und zeigen dort den weiteren Teil der Ausstellung. Auf dem Balkon ist ein Teleskop inszeniert, welches ebenso wieder den Besucher die Entscheidung überlässt Durchzuschauen oder nicht. Wenn man sich entschließt, wird man den Baum auf der gegenüberliegenden Straßenseite sehen. Dort ist also das Kunstwerk, außerhalb des Ausstellungsraums, welches die Künstler gemacht haben. Aber genau dies steht nicht wirklich im Mittelpunkt. Es geht vielmehr um das Medium der Wahrnehmung, also das Teleskop. Denn das impliziert schon eine Distanz, und so sieht man die Dinge nur aus der Ferne, für einen selbst sind sie unerreichbar. Die Dinge, die man betrachtet sind sehr beladen mit Bedeutung, und vor allem mit persönlicher. Es sind bekannte Dinge. So entsteht ein Spiel aus Nähe und Distanz. So ist aber die Gemeinsamkeit das Spiel. Und eben dies ist ein grundlegender Aspekt der Installation, die Nähe zu Kinderspielen. Was auch dazu führt, dass unterschwellige Themen der Institutionskritik sehr spielerisch wirken. Das Spiel wird hier zum Medium, als Erfahrung, als Reflexion.
„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ – Friedrich Schiller, Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen (1795), 15. Brief. Egal ob in der Ausstellung oder weitergetragen durch die Einladung wird die Aktivität hier zur Kunst gemacht, ebenso wie das Geschehen in den Bäumen außerhalb der Ausstellungsräume stattfindet. Es ist also nicht alles von dem Ausstellungsraum abhängig.
In der Installation geht es nicht so sehr um die Grenzen, die durch die Autoren in den Ausstellungsraum gelegt werden, es geht vielmehr um Entscheidungen, die von jedem getroffen werden müssen. Ein Spiel setzt in dem Sinn auch die Teilnahme voraus, als aktives Subjekt, „das durch die physische und symbolische Partizipation in seinem Sein bestärkt wird und das in Folge befähigt ist, seine eigene soziale und politische Rolle zu gestalten, das Interesse.“ Paul Divjak (2012): Integrative Inszenierungen. Bielefeld: transcript. S.23. Hier kann man sich nicht auf das Bekannte verlassen, es liegt in der Entscheidung es zu erkennen.

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Benjamin Seidel / Serena Ferrario

Ausstellungseröffnung 17.05.2013

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Flyer

Text von Anna Bauer

Wir haben hier eine kleine Schaden
Umher schwirrende amorphe Kugeln und Planeten, skurrile Köpfe – eine  surreale Animation fliegt über eine Armee nackter Frauen hinweg. Das Ganze  wird überwacht vom skeptischen Blick der Künstlerin. Die darunter befindlichen Abzüge der Frauen sind das Produkt der  Vervielfältigung einer einzigen Fotografie. Es handelt sich um die  hyperästhetische Aufnahme eines Modells in provokativer Pose. Ihre seltsame,  exakte Haltung und die perfekte Ausleuchtung lassen die Frage nach dem Kontext der Entstehung aufkommen: Welche Rolle spielt sie hier, die des erhabenen skulpturalen Objekts oder doch eher der angriffslustigen Amazone? Ganz im Gegensatz dazu stehen die sensiblen Aktfotografien im hinteren Teil
des Ausstellungsraumes. Bei genauer Betrachtung lassen sich auf den Körpern der Dargestellten feine Abdrücke von Unterwäsche erkennen. Kleine Schäden der Haut. Sie stören die Perfektion des Bildes und geben dabei doch einen Eindruck größerer Intimität.
Zeigen, dass das Ausziehen gerade erst stattgefunden hat und erinnern noch an  die Kleidung, die diesen Abdruck – diesen Schaden an der so empfindlichen  Oberfläche eines Menschen – hinterlassen hat. Die Arbeiten des Fotografen Benjamin Seidel (geboren 1984 in Lüneburg, lebt  in Braunschweig) sind Ausdruck einer Suche. Egal ob im vertrauten Umfeld des  privaten Wohnraumes oder in der professionellen Arbeitsatmosphäre eines  Fotostudios ist es die Suche nach Intimität. Nach einem privaten Moment, der  mehr zeigen kann als den Körper eines Modells.