Mijin Hyun / Fritjof Mangerich

Makin` it real!

Ausstellungseröffnung Donnerstag, 16.1.2014
18 Uhr Filmstudio: Werkgespräch mit Adrian Alecu
(Rumänien, Stipendiat Braunschweig-Projects 2013/14)

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Text von Jaqueline Krone

Es ist still. Die drückende Hitze hüllt mich ein. Ein kleines Fahrradlämpchen begrüßt mich mit seiner übermütigen Leuchtkraft. Darunter ein gerahmter Traum. Er verspricht verheißungsvolle Sehnsüchte, nur um vom daneben platzierten Warnhinweis wieder desillusioniert zu werden. Ein leises Zirpen. Von dort hinten muss es kommen. Nun ein Zirpen aus der gegenüberliegenden Ecke. Und wieder, und wieder. Hier und Dort. Als wollten die Heuschrecken mir etwas mitteilen. Geheime Botschaften aus einer fiktiven Welt.
Ein Blick hinter die Wand. Das Abbild eines tropischen Regenwaldes strahlt mit den Radiatoren und Tauchsiedern um die Wette. Es sind ausgerissene Sehnsuchtsorte, Bilder einer fiktiven Weltreise. Durch die visuellen Reize entstehen Assoziationsketten, welche durch die einzelnen Orte ausgelöst werden. Der Betrachter erkennt die projizierten Orte wieder, weil er diese aus den Medien herausfilterte oder gar diese selbst bereiste. Jeder hat ein eigenes, individuelles Bildgedächtnis. Durch die Wahrnehmung bestimmter Bilder werden Gefühle aktiviert und Erinnerungen wach. Er wird dazu verführt diesen nachzuhängen und vergisst die eigentliche Realität um sich herum – gestützt von den sinnlichen Erfahrungen, die er im Ausstellungsraum macht. Die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit, die sommerlichen Geräusche der Heuschrecken sowie der abgedunkelte Raum sind die Parameter, die zum Träumen anregen.
Sobald der Besucher diesen Zustand erreicht hat, zerfällt die Illusion plötzlich. Ein Bildbruch katapultiert den Betrachter in die Installation wieder zurück. Widersprüchlich stehen nun eine Abbildung des Indian Summers oder einer städtischen Skyline dem künstlich, generierten Ausstellungsraum gegenüber.
Es ist ein Versuch eine Realität zu erschaffen und diese gleichermaßen wieder zu zerstören. Was bleibt, sind die Abbilder vergangener Träume; ein gezirptes Lied des Fernwehs, getragen von der drückenden und zugleich wärmenden Luft. Ich öffne die Tür und die kalte, klare Realität hat mich wieder.